Dietikon
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Burg Schönenwerd

Der Name des heutigen Quartiers «Schönenwerd» in Dietikon lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen und ist erstmals 1241/43 schriftlich belegt. Er bezieht sich auf das Geschlecht der Verwandten Ulrich und Heinrich, Ritter von Schönenwerd, welche damals nahe bei Dietikon die Burg Schönenwerd an der Limmat verwalteten. Der Beitrag will dieser Geschichte nachgehen.

Die Ritter von Schönenwerd
Das Herrschaftszentrum der Grafen von Habsburg-Österreich befand sich um das Jahr 1250 noch im heutigen Kanton Aargau in der Schweiz: Damals residierten die Habsburger in der Stadt Brugg und kontrollierten von dort aus weite Gebiete zwischen den Flüssen Aare, Reuss und Limmat bis in die Innerschweiz. Für die direkte Verwaltung ihres grundherrlichen Besitzes waren ministeriale Dienstherren, d.h. niederadelige Vasallen, zuständig, die sich oft aus dem Ritterstand rekrutierten: Im 13. und 14. Jh. gehörte der Raum um das linksufrige Limmattal bei Dietikon in den Zuständigkeitsbereich der Ritter von Schönenwerd.

Die Ritter von Schönenwerd waren Ratsmitglieder der Stadt Zürich und hatten eigenen Grundbesitz und Vogteirechte im Limmattal. Daher wiesen ihnen ihre Herren, die Grafen von Habsburg, weitere Güter und Rechte in der Region als Lehen zu: So beurkundet Ritter Hartmann II. von Schönenwerd um 1361, dass er und seine Vorfahren schon seit geraumer Zeit bei Dietikon die Burg Schönenwerd nebst dem davor gelegenen Meierhof, ferner die Dorfherrschaft über Altstetten und Niederurdorf, sowie Grund und Boden in Schlieren als Lehen empfangen haben.

Burg und Meierhof zu Schönenwerd
Die Burg Schönenwerd wurde wohl bereits um das Jahr 1100 etwas ausserhalb des Dorfes Dietikon erbaut. Auf einer natürlichen Flussinsel (= «Werd») eines Seitenarms der Limmat gelegen, nahm die Wasserburg eine strategisch günstige Lage ein: Auf der einen Seite überblickten die Ritter von Schönenwerd die Landstrasse zwischen Zürich und Baden, und auf der anderen den Schiffsverkehr auf der Limmat. Dies stellte für die Schönenwerder attraktive Zolleinnahmen in Aussicht, welche sie von reisenden Händlern einfordern konnten.

In diesem Kontext spielt wohl auch der Meierhof vor der Burg Schönenwerd, den Hartmann II. erwähnt, eine wichtige Rolle: Ein Meierhof war ein vergleichsweise grosses Landgut, welches oft im Zentrum eines kleinbäuerlichen Hofverbandes stand. Als solches hatte der Meierhof z.B. die Funktion, den sog. Zehnt von den umliegenden Bauernhöfen einzuziehen, um ihn dann an den Grundherrn weiterzuleiten. Die Ritter von Schönenwerd dürften u.a. also genau von solchen grundherrlichen Abgaben, ebenso wie von den Zoll­einnahmen aus dem Warenverkehr rund um ihre Burg gelebt haben.

Das Restaurant Schönenwerd
Freilich war das Limmattal wirtschaftlich keine allzu bedeutende Region. Daher konnten die Schönenwerder nicht allein von lokalen Einkünften aus landwirtschaftlicher Produktion oder von gelegentlichen Einnahmen aus dem Zoll überleben: Aus Geldnöten waren sie immer wieder gezwungen, ihren Besitz nach und nach zu veräussern, bis ihnen nur noch ihre alten Lehen vom Hause Habsburg-Österreich blieben. Vermutlich deshalb griffen Zürcher Truppen schliesslich 1371 ihren letzten Besitz, die Burg Schönenwerd, an, und zerstörten sie. Daraufhin blieb den Rittern keine andere Wahl, als sich geschlagen nach Bremgarten zurückzuziehen. Den Wiederaufbau ihrer Burg bei Dietikon konnten sich die verarmten Schönenwerder nicht mehr leisten.

Was den Schönenwerder Meierhof anbelangt, so ist er u.a. auch im Archiv des Klosters Wettingen für 1693 belegt. Das Gotteshaus bereinigte damals seine Grenzen und hatte daher einen prächtigen Ortsplan des Limmattals anfertigen lassen: Darauf wird das «Gut Schönenwerd» als selbständiger Hof an der Landstrasse nahe der gleichnamigen Burgruine beschrieben. Später, als der Fuhrwerkverkehr zwischen Zürich und Baden zunahm, wurde der Hof in eine Speisewirtschaft umgebaut. Für 1843 ist immerhin ein gewisser M. Locher als erster Betreiber dieses neuen Gasthauses bezeugt. Das moderne Restaurant «zum Schönenwerd» wurde dann jedenfalls per 1. Januar 1942 von Hans und Emilie Stapfer-Frey erworben, worauf es bis zuletzt im Besitz der Familie blieb. Leider wurde das renommierte Gasthaus schliesslich aber im Dezember 2016 abgerissen.

 

Text: Sven Wahrenberger, Fotos: Ortsmuseum Dietikon