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«Ein Arbeitsplatz- und Einkaufsgebiet»

Das Leben im Dietiker Wirtschaftsgebiet Silbern pulsiert so sehr, dass zu den Hauptverkehrszeiten manchmal die Autos im Stau stecken bleiben. Und das, obwohl die Entwicklung des Gebiets in den vergangenen Jahren nur mit angezogener Bremse erfolgen konnte, wie Urs Jenny, Präsident der IG Silbern, im Gespräch mit dem «Dietiker» erklärt.

Die Entwicklung des Dietiker Wirtschaftsgebiets Silbern gleiche einem Trichter, sagt Urs Jenny, Präsident der IG Silbern: «Oben ist viel drin, unten kommt wenig heraus.» Will heissen: «Es gibt viele Ideen, aber nur wenige konnten bisher umgesetzt werden.»

Der Grund dafür ist, dass ein privater Gestaltungsplan für das Gebiet, der im Jahr 2012 vom Dietiker Stimmvolk angenommen wurde, durch Einsprachen von Naturschutzorganisationen blockiert ist. Zuerst bemängelten Birdlife und Pro Natura, dass eine Moorschutzverordnung für das Gebiet fehle. Und als diese 2017 endgültig erlassen wurde, monierte Birdlife, dass darin der Auenschutz ungenügend sei. Seither laufen Abklärungen des Kantons Zürich. «Statt grosse Entwicklungsschritte im Gebiet Silbern, haben wir deshalb nur kleine gemacht», fast Jenny die Folgen zusammen.

Unermüdliche Promotoren des Wirtschaftsgebietes Silbern sind die IG Silbern und ihr Präsident Jenny. Sie wurde 2003 gegründet, als drei im Gebiet ansässige Firmen – Zahnrad Maag, Pestalozzi und Madag – Restrukturierungen durchführten und Flächen frei wurden. Ziel der IG ist es, das Gebiet bekannt zu machen, es zu entwickeln, das Verkehrsproblem zu lösen und ein Ansprechpartner der lokalen und kantonalen Behörden zu sein. Das Interesse an der IG nahm rasch zu, als Silbern 2005 vom Kanton zur Planungszone erklärt wurde und im Gefolge die Ausarbeitung des privaten Gestaltungsplans begann. Heute zählt die IG 65 Mitglieder – Unternehmen, Grundeigentürmer und Ankermieter im Gebiet Silbern.

500 Firmen mit 5000 Arbeitsplätzen

Das Wirtschaftsgebiet Silbern umfasst eine Fläche von 600’000 Quadratmeter und liegt zwischen den Bahngeleisen im Süden sowie der Autobahn und der Limmat im Norden und erstreckt sich vom Limmatfeld im Osten bis zur Mutschellenstrasse im Westen. Auf ihm sind gemäss Jenny rund 500 Firmen angesiedelt, die etwa 5000 Arbeitsplätze anbieten. «Silbern ist ein Arbeitsplatz- und Einkaufsgebiet, kein Wohngebiet», sagt Jenny. «Wäre der private Gestaltungsplan in Kraft, könnte die Zahl der Arbeitsplätze auf 8000 erhöht werden.»

Die auf dem Gebiet ansässigen Firmen sind schwerpunktmässig in den Bereichen Industrie, Gewerbe, Logistik und Detailhandel aktiv. Bekannte Namen sind etwa die Stahlhandelsfirma Pestalozzi, das Transport­ unternehmen Planzer, der Grossverteiler Coop mit seinem Megastore und Verteilzentrum, der Haushalt- und Elektronikverkäufer Media Markt, der Sportartikel- und Schuhhändler Dosenbach Ochsner und die Kehrichtverwertungsanstalt Limeco.

Geplant ist gemäss Jenny der Aufbau eines Clusters von Firmen mit einer bestimmten, gleichen Spezialisierung. Ideen seinen vorhanden, aber noch nicht öffentlichkeitsreif, sagt Jenny. Ebenfalls angedacht ist die Realisierung einer Hochbahn (Seilbahn) von Silbern über die Bahngeleise ins benachbarte Dietiker Entwicklungsgebiet Niderfeld. «Das Limmattal ist entlang der Längsachse gut erschlossen, es fehlen aber Querachsen», rechtfertigt Jenny das Projekt.

Ausgeprägte Stärken und Schwächen

Als Stärken des Wirtschaftsgebiets Silbern bezeichnet Jenny die gute Anbindung an grosse Verkehrsachsen wie die Autobahn A1 sowie die Nähe zum Flughafen und zum Zentrum Zürich mit seinem Finanzplatz und seinen Hochschulen. Als Schwächen nennt er das ungelöste Verkehrsproblem («wir ersticken im Verkehr») und die Rechtsunsicherheit wegen des blockierten privaten Gestaltungsplans.

Die Lösung des Verkehrsproblems will das von der IG Silbern 2010 mitgegründete Komitee «Vorwärts Limmattal» anpacken. In der Führung des Komitees sind der Stadtpräsident von Dietikon, der Gemeindeammann von Spreitenbach, die IG Silbern, der Industrie- und Handelsverein, je ein Vertreter des Kantonsrates von Zürich respektive des Grossrates vom Aargau, die Limmatstadt AG, der Standortförderer und Stadtplaner von Dietikon. Kernpunkt der Forderungen des Komitees ist der Bau der S-Bahn-Station Silbern. «Zur Entlastung des Gebiets vom motorisierten Individualverkehr muss das Gebiet zwingend besser an den öffentlichen Verkehr angeschlossen werden», sagt Jenny. Die jetzige Erschliessung durch den Bus 309 genüge nicht. Dieser bleibe zu den Hauptverkehrszeiten im Stau stecken.

Die S-Bahn-Station Silbern ist zwar mittlerweile im Richtplan des Kantons Zürich vorgesehen, im Bahn-Ausbauschritt 2030/35 des Bundes aber noch nicht mit Dringlichkeit enthalten. Hoffnung setzt Jenny deshalb auf den Ausbau der Bahnstrecke Zürich–Aarau. Für ihn haben die Verkehrskommissionen des Stände- und Nationalrates einen Planungskredit von 100 Millionen Franken gesprochen. Er würde den Bau der S-Bahn-Station Silbern einbeziehen.

IG-Präsident Jenny wird ungeduldig

Weitere wichtige Forderung des Komitees «Vorwärts Limmattal» ist die Realisierung des Halbanschlusses Spreitenbach auf der Autobahn A1 aus Richtung Zürich. Mit ihm könnte die Mutschellenstrasse vom Durchgangsverkehr entlastet und die Einfahrt/Ausfahrt in die Silbernstrasse im Einkaufsgebiet im unteren Teil von Silbern verbessert werden.

Die Liste der Projekte zeigt, dass viel drin ist im Silbern-Trichter. Jenny möchte deshalb endlich vorwärtsmachen, gibt er zum Schluss des Gesprächs mit dem «Dietiker» zu verstehen. Doch die Mühlen der Politik mahlen langsam. «Ich werde ungeduldig, wenn nichts passiert», sagt Jenny, der lange Jahre in leitenden Positionen bei Pestalozzi tätig war. «Ich bin vom Typ her ein Macher.»

 

Text und Fotos: Martin Gollmer