Dietikon
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Exzellente Wohnlage in Zentrumsnähe

Im Altbergquartier in Dietikon lässt es sich gut wohnen. Der öffentliche Verkehr mit Bahnhof und Busstation sowie der Erholungsraum Limmat sind in wenigen Schritten zu erreichen. Doch das ist auch mit Problemen verbunden.

 

Das Altbergquartier in Dietikon befindet sich im Dreieck zwischen Bahnlinie im Süden, Überlandstrasse im Norden und Limmat im Osten. Es sei «ein vorzügliches Wohnquartier mit integrierter Erholungszone», sagt Albert Isler. Er wohnt seit vierzig Jahren im Quartier und ist Präsident der Arbeitsgruppe für ein wohnliches Altbergquartier. Dieses besteht vornehmlich aus Ein- und Mehrfamilienhäusern, darunter einige Genossenschaftsbauten. Gewerbebauten gibt es nur ganz wenige. An der Limmat befindet sich die Nötzliwiese, wo sich tagsüber auf dem Spielplatz die Kinder tummeln und an schönen Abenden und Wochenenden die Erwachsenen vom Stress des Alltags erholen.

 

Die Bevölkerung des Quartiers sei «recht gemischt», hat Isler festgestellt. Neben Schweizern gebe es viele Ausländer. Isler macht zahlreiche mittlere und obere Kader unter den Bewohnern aus, aber auch einige Sozialhilfebezüger. In den Genossenschaftsbauten wohnten viele Familien mit Kindern, in den Einfamilienhäusern vor allem Alteingesessene. Das Leben im Quartier sei angenehm, Probleme unter den Bewohnern gebe es keine, sagt Isler.

 

Nicht am Verlottern

Läden gibt es im Quartier keine. Zum Einkaufen gehen die Bewohner in die Migros im benachbarten Limmatfeld oder ins nahegelegene Zentrum Dietikons. Eine Kinderkrippe und ein Kindergarten befinden sich im Quartier, zur Schule müssen die Kinder aber ins Zentralschulhaus beim Stadthaus. Die Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist hervorragend. Bahnhof und Busstation liegen ein paar Schritte südlich des Quartiers.

 

Die Bezeichnung, das Altbergquartier liege «hinter dem Bahnhof», findet Isler in diesem Zusammenhang «abwertend». Die Häuser seien nicht am Verlottern, im Gegenteil. Viele Bauten seien renoviert und mit moderner Technik ausgestattet worden – auf einigen Dächern gebe es sogar Solaranlagen. Der Hauseigentümerverband klassifiziere das Quartier bei Häuser- und Wohnungsschätzungen denn auch als «exzellente Wohnlage».

 

Kampf dem Fremdverkehr

Alles paletti also im Altbergquartier? Nein, die Bewohner kämpfen schon seit Jahrzehnten gegen den Fremdverkehr im Quartier. Vor zwanzig Jahren erzielten sie einen Teilsieg, als auf ihr Drängen hin die blaue Zone eingeführt wurde. Seither können Bahnpendler nicht mehr im Quartier parkieren. Dennoch wird die verkehrsberuhigte Altbergstrasse noch heute von Autofahrern gerne als praktischer Zubringer zur Bahn für Mitfahrende gebraucht. Und an schönen Abenden und Wochenenden stellen Leute, die an der Limmat Erholung suchen, die Parkplätze mit ihren Autos voll.

 

Als wäre das nicht genug, gibt es im Quartier seit ein paar Jahren noch ein Motorradgeschäft. Das sorgt vor allem an Freitagen und Samstagen für viel Verkehr und Lärm im Quartier. Eine Beschwerde der Arbeitsgruppe für ein wohnliches Altbergquartier gegen das Geschäft blieb erfolglos. Dieses sei zonenkonform wurde ihr von der Stadt beschieden. Doch die Arbeitsgruppe lässt nicht locker. Sie fordert jetzt versuchsweise ein Fahrverbot für das Quartier, von dem nur dessen Bewohner, das Gewerbe und deren Besucher ausgenommen wären. «Wir wollen, dass Velofahrer, Fussgänger und spielende Kinder Raum haben», sagt Isler.

 

Ärger mit der Nötzliwiese

Auch die Nötzliwiese sorgt immer wieder für Ärger. Vor allem abends zieht sie viele Jugendliche an, die dann manchmal bis frühmorgens laut Party feiern, Drogen konsumieren und Abfall hinterlassen. «Die Nötzliwiese soll ein Tagespark sein, nicht ein Nachtpark», meint Isler.

 

Neuester Sorgenpunkt der Quartierbewohner ist die leerstehende Broki an der Bahnstrasse. Sie soll als Kulturzentrum umgenutzt werden. Die Bewohner befürchten Verkehr und Lärm bis spät in die Nacht. Die Arbeitsgruppe für ein wohnliches Altbergquartier hat sich inzwischen mit den Promotoren des Kulturzentrums getroffen. Dabei spürte sie, dass ihre «Anliegen und Sorgen ernst genommen» würden, wie Isler sagt.

 

Negativspirale befürchtet

Isler befürchtet eine Negativspirale, wenn die Probleme des Quartiers nicht gelöst würden. Stufe 1 seien mehr Verkehr sowie mehr Tages- und Nachtlärm. In Stufe 2 würden anspruchsvolle Quartierbewohner und gute Steuerzahler wegziehen. Dadurch werde – Stufe 3 – das Eigentum abgewertet. Notwendige Investitionen zu dessen Erhaltung unterblieben und das Quartier verlottere. In diesem Zusammenhang fordert Isler von der Stadt, «dass sie dem Quartier mehr Sorge trägt».

 

Um die Anliegen des Quartiers gegenüber Behörden und Privaten besser vertreten zu können, ist die Arbeitsgruppe für ein wohnliches Altbergquartier eben aufgelöst worden. An ihre Stelle tritt ein Quartierverein. Er soll «breiter abgestützt und beständiger» sein, wie Isler sagt. «Gegenüber den Behörden hat ein Quartierverein mehr Gewicht als eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe.» Neben der Vertretung der Anliegen des Quartiers nach aussen will der Verein gemäss Statuten auch nach innen wirken und die Quartiergemeinschaft fördern. Die Gründungsversammlung des Vereins fand am 26. Oktober statt.

 

Text und Fotos: Martin Gollmer