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Lebensraum für Menschen mit Behinderung

Allgemein, Stadt
Februar 2018

Bei der Stiftung Solvita können Menschen mit einer Behinderung aus den Bezirken Dietikon und Affoltern arbeiten, wohnen und lernen.

Am Anfang stand eine Vision von Ernst Laubi. Der Schlieremer, der als gelernter Automechaniker und technischer Kaufmann in leitender Stellung in der Autobranche tätig war, wollte für Menschen mit Behinderung einen Lebensraum schaffen, in dem sich alle anerkannt und geborgen fühlen. 1971 bildete er deshalb eine Studiengruppe, welche die Grundlagen für eine Stiftung namens «Eingliederungs- und Dauerwerkstätte Limmattal und Knonaueramt» erarbeiteten. Zweck der Stiftung sollte die Förderung und Beschäftigung von Menschen mit einer geistigen und/oder psychischen Behinderung sein, die ihren Wohnsitz im Bezirk Dietikon oder Affoltern haben.

 

1974 wurde die Stiftung von allen 25 Gemeinden der beiden Bezirke, darunter Dietikon, gegründet. Laubi wurde dabei als Stiftungsrat und Leiter des Arbeitsausschusses der Stiftung gewählt. 1977 übernahm Laubi als erster vollamtlicher Geschäftsführer die Leitung der Stiftung. 1978 und 1979 wurden Werkstatt und Wohnheim in Urdorf bezogen. 1981 folgte die Übernahme der Heilpädagogischen Schule in Dietikon, und 1989 wurde der Götschihof, das Heim für Schwerstbehinderte, im Aeugstertal eröffnet.

 
Die Blumen blühen weiter

1992 wurde Laubi als Geschäftsführer pensioniert. Er prägte die Aufbau- und Entwicklungsphase der Stiftung, die heute Solvita heisst, massgeblich. 2012 starb Laubi 85-jährig. Peter Voser, damals wie heute Präsident des Stiftungsrates, würdigte ihn an der Trauerfeier mit den Worten: «Ernst Laubi, du hast den Lebensgarten verlassen, doch deine Blumen blühen weiter.» Heute beschäftigt die Stiftung, die inzwischen «Solvita» heisst (abgeleitet aus den beiden Wörtern Sole = Sonne und Vita = Leben), bei einem Aufwand von über 27 Millionen Franken über 600 Personen, davon mehrmals 300 mit einer Behinderung.

 

Das Angebot der Stiftung lässt sich mit den Worten «Arbeiten», «Wohnen» und «Lernen» umschreiben. Was das «Arbeiten» betrifft, so führen im Service-Zentrum Urdorf 150 Behinderte unter fachkundiger Anleitung für namhafte Kunden Aufträge in den Bereichen Mechanik, Montage, Office, Versandservice, Elektronik, Verpackung/Konfektion und Transport/Logistik aus. Zudem werden eigene Produkte kreiert, etwa Kerzen, Gläser, Glückwunschkarten, Anzündhilfen oder Grillspiesse. Das Service-Zentrum arbeitet marktorientiert und ist nach der Qualitätsnorm 9001 zertifiziert. «Das Verbinden von behindertengerechter Arbeit und Marktorientierung ist eine grosse Herausforderung», sagt Monica Küffer, Bereichsleiterin Dienstleistungen, bei einem Besuch im Service-Zentrum.

 
Eine sinnvolle Beschäftigung

In den beiden Wohnheimen der Stiftung werden zudem über 90 geschützte Arbeitsplätze in den Bereichen Hauswirtschaft, Küche, Gärtnerei und Beschäftigungsgruppen angeboten. In den letzteren entstehen einfache Gebrauchsgegenstände und Dekorationsartikel. «Auch Menschen mit Behinderung haben das Recht auf eine befriedigende und angemessene Arbeit», heisst es dazu in einer Imagebroschüre der Stiftung. «Eine sinnvolle Beschäftigung stärkt das Selbstvertrauen.»

 

In den Wohnheimen in Urdorf und im Aeugstertal finden Menschen mit einer geistigen Behinderung ein Zuhause. Im Wohnheim Urdorf stehen Menschen mit einer leichten bis mittleren Behinderung in unterschiedlichen Gruppengrössen 74 Wohnplätze zur Verfügung. Zum Wohnheim in Urdorf gehören auch sieben Aussenwohngruppen in Dietikon/Urdorf für Menschen, die im Alltag wenig Unterstützung benötigen.

 

Das Wohnheim Götschihof im ländlichen Aeugstertal bietet 62 Wohnplätze an. Davon sind 40 Plätze für Menschen mit einer schweren geistigen oder körperlichen Behinderung reserviert. Acht Plätze werden von Menschen mit einer leichten Behinderung bewohnt. Weitere 14 Wohnplätze befinden sich in fünf Aussenwohngruppen in Affoltern am Albis.

Für besondere Lernbedürfnisse

Lernen können Menschen, die von einer geistigen Behinderung und/oder Mehrfachbehinderung betroffen sind, an der Heilpädagogischen Schule Limmattal in Dietikon. Die Schule steht Schülerinnen und Schülern im Alter von 4 bis 18 Jahren offen, die aufgrund ihrer besonderen Lernbedürfnisse der Sonderschulung zugewiesen wurden. Diese wird nach den Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen an der Tagesschule in Dietikon oder integriert in einer Regelklasse am Wohnort gestaltet. Das Angebot umfasst neben Fachunterricht auch Therapien, Beratung und Betreuung. Zurzeit wird die Schule von 50 Kindern und Jugendlichen besucht.

Lehren können Jugendliche mit einer Behinderung sowohl in der Stiftung wie auch Partnerbetrieben in zehn verschiedenen Berufsfeldern absolvieren. Dabei können das Eidgenössische Berufsattest (EBA) und das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis (EFZ) erworben werden. Ziel ist es, die Jugendlichen wenn immer möglich einer normalen Beschäftigung in der Wirtschaft zuzuführen. Zurzeit betreut die Stiftung 26 Lernende.

 

Dietikon Stiftergemeinde

Unter dem Namen «Stiftung Solvita» besteht eine mit öffentlicher Urkunde vom 4. September 1974 errichtete, gemeinnützige Stiftung. Sie ist politisch und konfessionell neutral und hat ihren Sitz in Urdorf.

Gegründet wurde die Stiftung von den 25 Gemeinden der Bezirke Dietikon und Affoltern. Zu den Stiftergemeinden gehört auch Dietikon.

Oberstes Leitungsorgan der Stiftung ist der 35-köpfige Stiftungsrat. Vertreter Dietikons in diesem Rat sind Roger Bachmann (Stadtrat), Johannes Felber und Esther Tonini (Stadträtin). Felber sitzt auch im Stiftungsratsausschuss. Präsident des Stiftungsrats ist der Schlieremer Peter Voser. Als Geschäftsführer der Stiftung amtet Markus Feil.

Die Stiftung finanziert sich aus Erträgen der eigenen Arbeit, Mitteln der Invalidenversicherung, der öffentlichen Hand (Kanton Zürich) und durch private Spenden. Spendenkonto: PC-Konto 80-507-0.

 

Text und Fotos: Martin Gollmer

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