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«Wir sind einzigartig»

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August 2018

Die einzige Buchhandlung im Zürcher Limmattal steht in Dietikon. Doch sie ist keine gewöhnliche Buchhandlung, sie ist eine sogenannte Wohnbuchhandlung. Das innovative Konzept soll helfen, in einem von harter Konkurrenz geprägten Umfeld das Überleben zu sichern.

 

Wollen Sie gemütlich in Romanen stöbern und dazu einen Kaffee mit selbstgemachtem Kuchen geniessen? Suchen Sie ein Kochbuch und wollen dazu gleich ein exquisites Olivenöl kaufen? Oder sind Sie froh, dass sich Ihr Kind mit einem Rennauto vergnügen kann, während Sie ein passendes Kinderbuch ausfindig machen? Oder suchen Sie für ein Geschenk nicht nur ein Buch, sondern noch etwas Schönes dazu? Wenn ja, dann sind Sie richtig in der Wohnbuchhandlung Scriptum an der Bremgartnerstrasse 23 gleich vis-à-vis des Stadthauses in Dietikon.

Scriptum ist keine gewöhnliche Buchhandlung mit einem Verkaufsraum voller Bücher. Scriptum ist eine Wohnung mit mehreren geschmackvoll eingerichteten
Zimmern, in denen es neben Büchern auch noch dazu thematisch passende Waren gibt.

Die Hausbibliothek etwa ist ein kleiner Raum mit Stukatur, einem Kronleuchter, zwei gemütlichen Sesseln und einer Menge aktueller Belletristik. Im Arbeitszimmer gibt es Ratgeber, Bastelbücher und Reiseführer. Dazu finden sich dort schöne Geschenkpapiere, spezielle Notizblöcke oder hochwertige Kugelschreiber. Soll es ein Geschenkbuch, ein Gartenbuch oder ein Yogabuch und dazu ein geschmackvoller Geburtstagstee sein? Dann ist man im Wohnzimmer richtig. Im mit bequemen Kindersesseln ausgestatteten Kinderzimmer können die Kleinen eine spannende Lektüre oder ein kniffliges Puzzle aussuchen. In der Vorratskammer treffen Kochbücher auf Zutaten zu Speisen, etwa hochwertiger Balsamico, feine Gewürze, französische Confiture oder wunderbare Schokoladen. Und im Badezimmer kann man neben passenden Büchern einen ausgefallenen WasserHAHN bewundern, aus feinen Handcrèmes und wohlriechenden Seifen auswählen oder diverse Badezimmer-Schilder begutachten.

 

 

Auch online bestellen möglich

Bücher bleiben bei all dem die Hauptsache. In der Wohnbuchhandlung sind rund 2500 Bücher vorrätig, wie Scriptum-Besitzerin und -Geschäftsführerin Corinne Frischknecht bei einem Besuch verrät. Dazu kommen etwa 800 sogenannte Non-Books, zu Büchern passende und diese ergänzende Artikel. Geschenkartikel werden saisonal, zum Beispiel zu Ostern oder zu Weihnachten, verändert, sodass sich neben Bewährtem auch immer wieder Neues findet.

Wer nicht genau weiss, was er will, wird von Frischknecht und ihren drei Buchhändlerkolleginnen – zu denen im August noch eine Lehrtochter gestossen ist – fachkundig beraten. Diese gelten in Kundenkreisen als sehr belesen. Sie hätten immer zwei, drei gute Tipps parat, heisst es. Buchtipps des Scriptum-Teams gibt es auch auf der Website der Wohnbuchhandlung zu finden (www.buchhandlung-scriptum.ch).

Wer nicht in der Buchhandlung vorbeigehen will, kann auf der Website auch aus einem Online-Katalog, der alle aktuell lieferbaren Bücher umfasst, auswählen und bestellen. «Ohne Online-Buchshop geht es heute nicht mehr», sagt Frischknecht. Insbesondere Bibliotheken und Schulen würden auf diesem Weg einkaufen. Der Online-Kanal ist gemäss Frischknecht deutlich wichtiger als der Ladenverkauf. Etwa zwei Drittel der abgesetzten Bücher würden via Internet verkauft.

Scriptum führt in unregelmässigen Abständen auch Veranstaltungen durch. So fanden im ersten Halbjahr 2018 etwa eine Buchlesung und eine Ladies Night statt. Auch wer einmal einen Abend lang eine Buchhandlung ganz für sich allein möchte, ist bei Scriptum am richtigen Ort. Gegen einen Unkostenbeitrag kann man sich einschliessen lassen, völlig ungestört in Büchern stöbern und erhält erst noch einen Apéro serviert

 

Buchgeschäft bleibt schwierig

Eine Wohnbuchhandlung wie Scriptum gibt es in der Schweiz nur in Dietikon. «Wir sind einzigartig», sagt Frischknecht stolz. Am Anfang, im Herbst 2015, stand der Wunsch, die alte Buchhandlung an der Bremgartnerstrasse 25 zu vergrössern und mit einem neuen Konzept zu versehen. Durch Zufall stiess Frischknecht dann bei der Lektüre auf eine Wohnbuchhandlung in Deutschland. Fasziniert von der Idee besuchte sie diese Buchhandlung, kam voller Ideen, zurück und begann eine Lokalität mit mehreren Räumen zu suchen. Wiederum durch einen Zufall fand Frischknecht diese Lokalität sozusagen vis-à-vis der alten Buchhandlung.

Doch das Konzept einer Wohnbuchhandlung erwies sich als teuer. Ohne Sponsoren hätte es nicht verwirklicht werden können. Also machte sich Frischknecht auf die Suche nach Geldgebern – und fand diese zu ihrer freudigen Überraschung auch. Am 25. Januar 2018 war es dann endlich soweit: Die Wohnbuchhandlung Scriptum konnte eröffnet werden.

Das neue Konzept komme bei den Kunden gut an, sagt Frischknecht. Sie fänden es innovativ und seien begeistert. Dass das neue Konzept auf Zuspruch stösst, merkt Frischknecht auch an den Umsätzen: «Wir konnten uns steigern», sagt sie. Trotzdem bleibt das Buchhandelsgeschäft angesichts von übermächtigen Bücherketten und Online-Anbietern schwierig. Kleinere Buchhandlungen können oft nur überleben, wenn sich deren Besitzer selbst ausbeuten. Das ist auch bei Scriptum nicht anders. Frischknecht zahlt sich für die zweieinhalb Tage, die sie pro Woche in der Buchhandlung arbeitet, keinen Lohn aus.

 

 

 

Text: Martin Gollmer, Fotos: ZVG

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