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Wo der Dreck des Limmattals hingeht

Abfall
Mai 2018

Limeco in Dietikon verwertet Abfälle, reinigt Abwasser und produziert dabei Wärme und Strom. Am 10. Juni können die Stimmbürger der acht Trägergemeinden, darunter Dietikon, darüber abstimmen, ob Limeco Land kaufen darf, das dereinst für den Neubau der Kehrichtverwertungsanlage und den Ausbau der Abwasserreinigungsanlage gebraucht wird.

 

Limeco kennen wir von den hellblauen Abfallsäcken. Der darin gesammelte Haushaltkehricht wird in ihrer Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in Dietikon zusammen mit brennbaren Abfällen aus Gewerbe, Industrie und Bau sauber verbrannt und somit verwertet. 2017 waren es insgesamt 91 319 Tonnen. Limeco betreibt gleich neben der KVA auch noch eine Abwasserreinigungsanlage (ARA). Sie reinigte 2017 12.39 Millionen Kubikmeter Mischwasser von 80 281 Einwohnern im Limmattal.

 

Die KVA ist weit mehr als eine Verbrennungsanlage. Sie ist auch ein Kraftwerk. 2017 produzierte Limeco damit 25 521 Megawattstunden Wärme, die 32 Kunden im Dietiker Quartier Silbern entweder in Form von Heisswasser (maximum 110 Grad Celsius) oder in Form von Prozessdampf bezogen. Dank dieses Regiowärme genannten Produkts liessen sich 4.0 Millionen Liter Heizöl sparen.

 

Zudem stellte Limeco in dem Kraftwerk 2017 67 333 Megawattstunden erneuerbaren Strom (Regiostrom) für den Strommarkt und für den eigenen Bedarf her. Das entspricht dem jährlichen Bedarf von 19 238 Haushalten.

 

In der KVA fallen pro Tonne Kehricht zwischen 180 und 250 Kilogramm Schlacke an – 2017 insgesamt 20 163 Tonnen. Daraus konnten 2016 Tonnen Eisen, Aluminium, Kupfer, Messing und andere Buntmetalle zurückgewonnen werden sowie 6  kg Quecksilber. Die Schlacke und die in der Kesselanlage und im Elektrofilter gesammelte Asche (1533 Tonnen) lagerte Limeco gesetzeskonform auf Schweizer Reststoff- und Reaktordeponien ab.

 

In der ARA fielen 2017 67 222 Kubikmeter Frischschlamm an. Daraus produzierte Limeco 1.75 Millionen Kubikmeter Klärgas. Dieses wird heute noch in zwei Blockheizkraftwerken verstromt und künftig als Biogas auf dem freien Markt verkauft. Der verbleibende Klärschlamm (62 788 Kubikmeter) wird seit Mitte 2015 nicht mehr im eigenen Monoverbrennungsofen, sondern in der kantonalen Klärschlammverwertungsanlage im Zürcher Werdhölzli verbrannt. Die Restasche wird heute noch deponiert, jedoch mit der Zielsetzung, dereinst das in der Asche enthaltene Phosphor zurückgewinnen zu können.

 

Mit der Region mitwachsen

Das Limmattal ist eine stark wachsende Region. Bis zum Jahr 2035 wird von einer Bevölkerungszunahme von 33 % gegenüber 2010 ausgegangen. Die Kapazitäten und Grössen der Anlagen von Limeco sind direkt abhängig von der Siedlungsentwicklung im Limmattal und müssen mitwachsen.

 

Deshalb plant Limeco einen Neubau der KVA und einen Ausbau der ARA. Eine Sanierung der KVA beim Erreichen ihres Lebensendes ums Jahr 35 ist aufgrund von Sicherheitsaspekten, neuen Anforderungen an den Stand der Technik und fehlender Wirtschaftlichkeit nicht zweckmässig. An den heutigen Standorten haben aber weder die KVA noch die ARA genügend Landreserven für zukünftig notwendige Neu- und Ausbauten.

 

Deshalb will Limeco das gleich an die KVA angrenzende Grundstück kaufen, auf dem sich heute ein Verteilzentrum von Coop befindet. Auf diesem Grundstück würde dann eine neue KVA gebaut. Die heutige KVA würde danach abgebrochen, wonach auf dem freien Grundstück der Erweiterungsbau der ARA realisiert würde. Mit diesem Vorgehen könnte auch dem Schutz des Flachmoors Schachen Rechnung getragen werden, das an die bestehenden Grundstücke der beiden Anlagen grenzt.

 

Der Kauf des 43 612 Quadratmeter grossen Coop-Areals inklusive der darauf stehenden Gebäude würde Limeco zwischen 40 und 65 Millionen Franken kosten. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus dem Brutto-Kaufpreis von 90 Millionen Franken abzüglich der mit Coop bereits vertraglich fest vereinbarten Rückmiete. Sie beträgt, abhängig von der Mietdauer, zwischen 25 Millionen Franken (mindestens sechs Jahre Rückmiete) und 50 Millionen Franken (maximal zwölf Jahre Rückmiete).

 

Entscheid mit Langzeitfolgen

Über diesen Landkauf können die Stimmbürger der acht Trägergemeinden von Limeco, darunter Dietikon, am kommenden 10. Juni abstimmen. Ein Ja sichere dem Limmattal eine eigene, günstige Kehrichtverwertung und Abwasserreinigung auf Jahrzehnte hinaus und stelle die Versorgung der Region mit erneuerbarer Energie sicher, sagt Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi im Gespräch mit dem «Dietiker».

 

Ein Nein würde dagegen das Ende der KVA in Dietikon bedeuten. Der Limmattaler Abfall müsste dann aus der Region hinaus transportiert werden, was dessen Verwertung verteuere. Das wiederum würden die Limmattaler in Form höherer Abfallsackgebühren zu spüren bekommen. Auch die Versorgung des Limmattals mit Regiowärme und Regiostrom wäre in Frage gestellt.

 

Gebaut wird ab 2030. Die KVA erreicht um 2035 herum das Ende ihrer technischen Lebensdauer. Vorher muss der Ersatzneubau realisiert werden, damit ein kostspieliger Betriebsunterbruch vermieden werden kann. Die ARA stösst zwischen 2035 und 2040 an ihre Kapazitätsgrenze. Weil Infrastrukturbauten eine lange Vorlaufzeit haben, muss bereits jetzt mit der Planung begonnen werden. Deshalb braucht es auch bereits jetzt Gewissheit, dass das dannzumal benötigte Land zur Verfügung steht.

 

Regiowärmenetz soll entstehen

Viel näher liegt der Gesamtausbau des Regiowärmenetzes mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 100 Mio. Franken. Das Versorgungsnetz soll in den kommenden Jahren von 4 auf rund 50 Kilometer verlängert werden. Aktuell werden Dietikon West (Gjuch, Fondli), die Gemeinden Geroldswil, Oetwil a.d.L., Weiningen sowie Unter- und Oberengstringen erschlossen. In einer späteren Ausbaustufe sollen dann auch Dietikon Mitte und Ost, Schlieren West und Urdorf Nord ans Regiowärmenetz angeschlossen werden.

 

Der Entscheid für den Gesamtausbau des Regiowärmenetzes soll in der zweiten Jahreshälfte gefällt werden. Damit kann sichergestellt werden, dass die Hauptleitungen des Netzes gleichzeitig mit dem Bau der zweiten Etappe der Limmattalbahn verlegt werden können. Fertiggestellt sein soll das Hauptnetz 2022. Der Gesamtausbau des Regiowärmenetzes ist nicht Gegenstand der Abstimmung vom 10. Juni. Diesen Entscheid werden wieder die Stadt- und Gemeinderäte der Trägergemeinden von Limeco fällen, so wie sie bereits 2015 den Erstausbau und 2016 den erweiterten Erstausbau beschlossen haben.

 

Ein öffentliches Unternehmen

Limeco ist eine interkommunale Anstalt. So heissen die Aktiengesellschaften des öffentlichen Rechts. Besitzer ist die öffentliche Hand, im Fall von Limeco sind es die acht Trägergemeinden Dietikon, Geroldswil, Oberengstringen, Oetwil a.d.L., Schlieren, Unterengstringen, Urdorf und Weiningen. Diese Gemeinden haften im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl für die Verbindlichkeiten von Limeco.

 

Diese öffentlich-rechtliche Körperschaft ermöglicht es Limeco, am freien Kapitalmarkt günstiger Geld aufzunehmen. Und davon braucht das Unternehmen in den nächsten Jahren zur Finanzierung ihrer Investitionen viel. Limeco will deshalb noch in diesem Jahr eine Anleihe ausgeben.

 

Den Betrieb finanziert Limeco mit Gebühren und dem Verkauf von Dienstleistungen und Produkten zu Marktpreisen. Gebührenfinanziert sind einzig die Abwasserreinigung und die Verwertung des sogenannten Monopolkehrichts – das heisst der Abfall aus den Privathaushalten. Für die Verwertung des sogenannten Marktkehrichts – Abfälle aus Gewerbe, Industrie und Bau – verlangt Limeco Marktpreise. Auch zu Marktpreisen verkauft worden die Regiowärme und der Regiostrom.

 

Als interkommunale Anstalt ist Limeco jedoch nicht gewinnorientiert. Ihr Auftrag ist denn auch wie folgt formuliert: Limeco erbringt in den Bereichen Abfallwesen und Abwasserreinigung auf zweckmässige, möglichst wirtschaftliche, umweltfreundliche und gesetzeskonforme Weise Dienst- und Sachleistungen jeglicher Art.

 

 

 

Text und Fotos: Martin Gollmer

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